Prussia
"Hier
Leutnant Heinze vom 122. Aufklärer. Bitte kommen Verband "Herzog
von Leuchtenberg." Das Funkgerät an Bord der Fregatte "Emden"
knisterte. Fähnrich Hauke Schultze, der gerade Funkwache hatte
drückte die Sprechtaste. "Hier Fähnrich Schultze von der
"Emden". Was gibt es Leutnant Heinze? "Emden"
Ende." Schultze verschränkte die Finger und dehnte sie.
Sein
Verband war mittlerweile recht nah an den britischen Inseln und es
würde ihn nicht wundern, wenn sie tatsächlich Feindkontakt bekommen
würden. Seit gut drei Wochen waren die "Emden" und der von
ihr zu beschützende Flugzeugträger "Herzog von Leuchtenberg"
auf dem Weg um irgendeine britische Forschungseinrichtung ausfindig
zu machen, die sich irgendwo auf irgendeiner gottverlassenen Insel
befinden sollte. Das Funkgerät knackte erneut. "...befinde mich
einen Kilometer südlich von ihrer Position..." Der Empfang
brach kurzzeitig ab. "vermutlich britisches...Ende."
Schultze runzelte die Stirn. "Leutnant bitte wiederholen."
Sturgenium
hatte zwar viele Maschinen ermöglicht und verbessert, aber für
seinen Geschmack brachen gerade die Funkverbindungen immer noch viel
zu leicht ab.
"1200
Meter südlich von ihrer Position, vermutlich britisches U-Boot.
Ende."
Schultze
zögerte nicht, sprang auf und rannte durch das nächste Schott auf
die Brücke.
"Kapitän
Herrmann, vermutlich feindliches U-Boot 1200 Meter südlich von uns."
Der
Kapitän schnippte mit dem Finger und deutete Richtung Süden. Zwei
Mann mit Ferngläsern rannten zu den Fenstern. "Sichtung
bestätigt. Unbekanntes Schiff mit Abfangkurs zur "Herzog"
!", meldete einer der Beiden.
"Funker,
Befehl an unseren Verband: Kurs Süden, volle Kraft voraus.
Wasserbomben und Geschütze vorbereiten. Kondensatoren für die
Teslas laden."
Fähnrich
Schultze nickte und machte sich auf den Weg in den Funkraum. "Geben
sie der "Herzog" Bescheid... hier schleichen U-Boote herum.
Die sollen sich ebenso vorbereiten!", rief der Kapitän
hinterher.
Die
Fregatte schnitt sich durch die Wellenkämme und die Maschinen, die
ein Sturgenium-Diesel-Gemisch schluckten brachten das Boot zum
vibrieren.
800
Meter noch bis zum Ziel.
Die
beiden begleitenden Fregatten änderten auf den Funkspruch hin
ebenfalls den Kurs, während der Flugzeugträger beschleunigte und
versuchte größeren Abstand zwischen sich und den möglichen
Angreifer zu bringen.
Die
Schiffe bereiteten sich auf das Gefecht vor. Schultze nahm
Bestätigungen der Befehle der anderen Eskorten entgegen und betrat
die Brücke, als die "Emden" noch knappe 600 Meter entfernt
war.
Durch
die Fenster der Brücke sah er, wie die Mannschaften auf dem Deck
herum eilten. Wie Ameisen in einem Nest, dachte er. Soldaten machten
sich bereit zum Entern, Offiziere brachten ihre Mannschaften in
Stellung und die Schiffsjungen schleppten Munition zu den
Maschinengewehren und luden sie durch.
"Richtet
die Läufe auf das Ding. Ich will es in die Luft fliegen sehen!",
rief Kapitän Herrman. Der erfahrene Seefahrer blickte den Funker an.
"Noch etwas wichtiges?"
Schultze
verneinte und salutierte.
Der
Kapitän wand sich ab. "Feuert auf mein Zeichen. Ich will nur
sichere Treffer. Wer weiß, wie viele Schuss wir noch brauchen..."
Ein
Geräusch durchbrach das Geschrei und das laute Brummen der
Maschinen.
"Kapitän",
einer der Späher vom Fenster kam aufgeregt herbei. Es taucht ab mit
einer harten Wende nach Osten."
"Gefechtswende.
Feuer nach Ermesse! Versenkt das Ding!", schrie Herrmann.
Schultze
verließ die hektische Brücke und ging zurück in den Funkraum.
In
den Funkkanälen herrschte das reinste Chaos. Es war fast so, als ob
irgendetwas die preußische Kommunikation stören würde.
Der
Fähnrich drehte an einigen Reglern herum, konnte aber kein Signal
empfangen.
Schultze
stürmte abermals auf die Brücke.
„Kapitän,
ich weiß nicht was die Briten mit uns gemacht haben, aber der Funk
ist ausgefallen!“
„Ich
brauche mehr Mann an Deck. Sucht das Wasser nach diesem verdammten
Boot ab!“, schrie der Kapitän mit hochrotem Kopf.
„Feuer,
es brennt!“, Schultze fuhr herum und sah einen aufgeregten Matrosen
in der hinteren Tür zur Brücke stehen. Herrmann stürmte nach
draußen; Schultze folgte ihm in kurzem Abstand.
Etwa
einen Kilometer von ihnen entfernt brannte austretendes Öl auf dem
Meer. Trümmerteile und Menschen schwammen auf den Wellen. Der
„Herzog“ stand in Flammen und lag im vorderen Teil deutlich
tiefer. Der Kapitän stieß einen Fluch aus und gab Befehl zu Wenden.
Dann
wurde die „von Leuchtenberg“ von Torpedos getroffen...
Russia
"Die Peilung
steht, Kapitän." Gotschow legte das Fernrohr beiseite und
richtete den Blick auf den voll bärtigen Mann, der neben ihm auf der
Brücke stand. Den Kapitän umgab etwas ehrwürdiges, ein Hauch von
Ruhe und Erhabenheit. Kapitän Kolesch nickte einfach.
"Soll ich die
Torpedos abschießen lassen?"
Kolesch hob abwehrend
die Hand. "Zu früh",entgegnete er knapp.
"Wir sind in
einem guten Schusswinkel...", versuchte es der Offizier erneut.
"Njet", der Kapitän schlug auf die Holzvertäfelung, die
als Ablage für allerhand feine Navigationsinstrumente diente. "Du
bist zu ungeduldig auf die Entfernung bewirken wir gar nichts."
Seit
etwas mehr als zwei Stunden waren sie mit ihrem "Peset Class
Angriffs-U-Boot" auf Abfangkurs zu einem preußischen Verband,
der zwischen Großbritannien und Dänemark unterwegs war mit Kurs in
nordwestlicher Richtung. Die S-131 "Tigerhai" war vor gut
zwei Wochen mit Patroillienbefehlen von Plymouth
aufgebrochen, um dem
Königreich von Britannien den guten Willen des Zarenreiches zu
beweisen.
Gotschow war erst im
letzten Hafen an Bord gekommen und bekleidete seitdem den Posten des
1. Offiziers.
Er war tatsächlich
ungeduldig, war dies doch sein erster richtiger Feindkontakt. Er
verdankte es nämlich nicht gerade seiner Erfahrung, dass er solche
Position bekleiden durfte, sondern eher dem Wohlstand den seine
Familie mitbrachte.
"Kapitän",
Gotschow hob das Fernrohr erneut und spähte zum feindlichen Verband,
was er sah gefiel ihm gar nicht:"Drei Fregatten lösen sich aus
der Formation. Sie scheinen uns entdeckt zu haben." Ihm traten
Schweißperlen auf die Stirn. Er wusste, dass die Preußen schnell
und gnadenlos waren. Den Fregatten würden sie niemals entkommen. Der
Kapitän verzog keine Miene. "Gib Befehl für volle Fahrt. Nicht
tauchen!" Gotschow zögerte einen Augenblick. Die Fregatten
waren nur gute 800 Meter entfernt und kamen rasch näher. Der Kapitän
drehte den Kopf leicht zu ihm. "Volle Fahrt voraus, nicht
tauchen", rief Gotschow in einen Messingtrichter, der als
Sprachrohr zum Maschinenraum diente. Wenige Sekunden später
vibrierte der walförmige Rumpf des Bootes stärker als vorher. 700
Meter, wenn überhaupt trennten sie von den Fregatten. Es wurde
schnell weniger. Bittend blickte er den Kapitän an, der seine grauen
Augen starr nach vorne richtete. "Kapitän, sollen wir die
Geschütze bemannen ?", versuchte es der Offizier erneut.
Der Kapitän
schüttelte fast unscheinbar den Kopf. "Njet, sorg' dafür, dass
die Heizer mehr Sturgenium unter mischen. Wir brauchen mehr Fahrt!"
-Der Kerl ist verrückt geworden- Gotschow tastete nach seiner
Dienstwaffe und öffnete das Halfter, während er den Befehl
weitergab. Er zweifelte, dass er den Kapitän absetzen könnte, aber
...
500 Meter. Im Fernrohr
sah er, wie auf den Decks der Fregatten die Geschütztürme in
Bewegung kamen. Die Offiziere an den Türmen wiesen auf sie und
ebenso die Läufe der Kanonen. Jede Sekunde würde es vorbei sein.
"Jetzt, tauchen!"
Der Kapitän schrie den Steuermann im hinteren Teil der Brücke an
und stieß Gotschow vom Sprachrohr weg. Der Offizier taumelte und
stürzte zu Boden als der Stoß mit der plötzlichen Neigung des
"Pesets" zusammen kamen. Die gelöste Waffe fiel und
rutschte über den Holzboden der Brücke. "Zündet den
Generator", schrie Kapitän Kolesch in den Trichter und ein
lautes Surren gefolgt von einem durchdringenden Klirren, als ob
jemand edles Kristall zerschmettert hätte, erklangen:"Echo 105°
Steuerbord, halbe Fahrt."
Gotschow hielt sich
die Ohren, die mit dem aufkommenden Druck und dem Lärm vollkommen
überfordert waren.
"Torpedoturm 10°
Backbord", rief der Kapitän nach hinten. Bewegung kam in die
Brückencrew, Befehle wurden schneller gegeben als Gotschow es für
möglich gehalten hatte. "10 Mann an die Buggeschütze. Doppelte
Salve. Maximale Ladung. 10° Aufwärts." Gotschow sprang auf,
kam aber kaum mit der Weitergabe hinterher. "Alle ohne Posten
ins Heck; auf mein Zeichen auftauchen...jetzt"
Das U-Boot schoss
förmlich unter den Fregatten hinweg, die anscheinend die Verfolgung
des Echos aufgenommen hatten. Das Ziel des "Pesets" lag nur
noch geschätzte 200 Meter entfernt. "Ruder 5° Steuerbord, raus
aus dem Wasser! Feuer bei 3." Gotschow zitterte vor Aufregung
und Anspannung. Er gab die Befehle weiter. Das Boot neigte sich steil
nach oben. "1!" Wenige Meter noch zur Oberfläche. "2!"
Das U-Boot schoss aus dem Wasser, neigte sich in den Himmel und
klatschte daraufhin in die Fluten. "3!" "Feuer!",
schrie Gotschow aus Leibeskräften und der Rumpf des Bootes ruckte
unter den wuchtigen Salven der Buggeschütze. Torpedos klatschten ins
Wasser. "Tauchen, tauchen, tauchen", schrie der Kapitän.
"Maschinen stopp. Der nächste der auch nur Hustet wird von mir
persönlich erschossen!" Bevor das Boot die Wasseroberfläche
erneut durchschnitt sah der erste Offizier noch die Einschläge der
Granaten im preußischen Flugzeugträger.
"Was machen wir,
wenn sie uns noch entdecken?" Der Kapitän zeigte keine Regung.
Erst als wenig später
eine Explosion die Einschläge der Torpedos verkündete, gingen seine
Mundwinkel leicht nach oben.
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